Mit der AlpTransit Gotthard entsteht eine zukunftsorientierte Flachbahn durch die Alpen. Der Basistunnel am Gotthard - künftig mit 57 km der längste Tunnel der Welt - ist das Herzstück der neuen Bahnverbindung. Die Pionierleistung des 21. Jahrhunderts wird zu einer markanten Verbesserung der Reise- und Transportmöglichkeiten im Herzen Europas führen.
Zusammen mit ihren ARGE-Partnern Arnold AG und Aggregat AG (Flüelen) hat die AWATEC AG den Auftrag für das Los 106 - Abwasserbehandlung Erstfeld - erhalten. Der Auftrag umfasst im Wesentlichen den Bau und Betrieb einer Behandlungsanlage für Abwasser aus dem Tunnelbau von 50 - 150 l/s. In dieser Behandlungsanlage sind die LEIBLEIN-Schrägklärer integriert.
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Während der Bauphase des Abschnitts Erstfeld wird das unverschmutzte Bergwasser, das aus dem umgebenden Fels in die Tunnelröhren eingetragen wird, und das für die Arbeiten im Tunnelinnenraum benötigte Prozesswasser in einer Rigole gefasst und als Mischwasser der Wasserbehandlungsanlage zugeführt. Nach der Übergabe vom Tunnelunternehmen erfolgt eine Vorreinigung in einem Trennbauwerk, das primär zur Regulierung und Verteilung der anfallenden Wasserströme dient, überdies auch Kies, Sand und gröbere Feststoffe separiert. Nach Zugabe und gleichmäßiger Einmischung eines Flockungshilfsmittel in der Zuleitung gelangt das Abwasser in LEIBLEIN-Schrägklärer. Diese Bauwerke erfüllen gleichzeitig zwei Aufgaben. Freie und feinverteilte, dispergierte Öle werden im Koaleszenzverfahren an Lamellenpaketen gesammelt und steigen in Tropfenform an die Oberfläche, von wo sie mit Hilfe von Saugskimmern abgezogen und zur Entsorgung gefasst werden. Die eingetragenen Trübstoffe, die durch Kolmation, das heißt die Verfüllung der Gewässersohle und einer Verschiebung des Licht- und Temperaturklimas des Oberflächengewässers das Ökosystem belastet, werden mit Hilfe des Flockungshilfsmittels koaguliert, an den Lamellenpaketen vom Weiterfliesen zurückgehalten und sinken als Makroflocken zu Boden. Der auf diese Weise anfallende Schlamm wird niveaugesteuert abgepumpt, entwässert und zur Deponierung beziehungsweise weitergehenden Behandlung gelagert.
Im nächsten Schritt wird das anfallende Wasser, das durch die Betonarbeiten einen erhöhten pH-Wert aufweist, mit Kohlendioxid neutralisiert. Dieses Verfahren bietet gegenüber einer Neutralisation mit Mineralsäure Vorteile im Hinblick auf Umweltbelastung und Arbeitssicherheit: eine Übersäuerung oder Aufsalzung (Eutrophierung) des Abwassers ist ausgeschlossen und eine wesentlich einfachere Handhabung gegenüber giftiger und korrosiver Mineralsäure ist gegeben. Aufgrund der Neutralisation ausfallender Kalk wird in den nachfolgenden Becken sedimentiert.
Die Startröhren der Tunnelbohrmaschinen und die Querschläge zwischen den Hauptröhren werden im Sprengvortrieb aufgefahren. Sprengstoffrückstände und der Niederschlag der Sprengstoffschaden führen zu einer Anreicherung des Tunnelwassers mit Stickstoffverbindungen insbesondere Nitrit und Ammonium. Deren Behandlung erfolgt durch Zugabe von Natriumhypochlorid und Filterung über Aktivkohle. Absorbierbare organische Halogenverbindungen (AOX) werden bei Überschreitung der zulässigen Grenzwerte ebenfalls an Aktivkohle gebunden und auf diese Weise abfiltriert.
Um ausreichende Reservekapazität sicherzustellen, wird ab einer Abwassermenge von 50 l/s eine weitere Anlagenerweiterung ausgelöst, so dass eine stetige Durchflussleitung von 150 l/s behandelt werden kann. Starke Wassereinbrüche können in zwei 1000 m³ fassende Rückhaltebecken aufgefangen und gespeichert werden. Selbst für den Fall, dass dieses Rückhaltevolumen nicht ausreicht, ist mit einer Notflockung und -neutralisation mit Schwefelsäure eine Umweltgefährdung praktisch ausgeschlossen.
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